Das Armreliquiar der Heiligen Elisabeth von Thüringen
Das Reliquiar in Form eines senkrecht aufragenden Armes enthält
eine Reliquie der Heiligen Elisabeth (1207-1231, Landgräfin von Thüringen,
Tochter König Andreas II. von Ungarn und Gertrud von Andechs-Meranien). Die
Rechte ist in segnend ausgestreckter Haltung wiedergegeben, der Arm mit zwei
Gewändern bekleidet, deren Borten mit Filigran und Edelsteinen geschmückt sind. gWährend der Oberärmel mit einem punzierten Rautenmuster verziert ist, dominiert
an dem enganliegenden Ärmel eine gerahmte Achatplatte. Auf der
gegenüberliegenden Rückseite weist das Untergewand ein verschließbares
Maßwerkfenster auf, dahinter ist die Reliquie einsehbar. Ein zweiter Zugang zu
dem Reliquienrab besteht an der Unterseite des Armes, denn auch die Standplatte
ist aufklappbar. Armförmige Reliquiare sind seit dem 11. Jahrhundert bezeugt,
sie gehören zur Gruppe der sogenannten „redenden Reliquiare“. Dieser
Reliquiartyp, zu dem alle anderen Reliquiare in Form menschlicher Körperteile
gehören (z.B. Büsten, Köpfe, Füße, Finger), ist so benannt, weil seine äußere
Form häufig auf den inliegenden Reliquienschatz schließen lässt.
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| Bei dem Armreliquiar der Heiligen Elisabeth handelt es sich um
eine der herausragendsten Goldschmiedearbeiten aus der Mitte des 13.
Jahrhunderts. In den stilistischen Merkmalen lässt das Werk bereits gotische
Strömungen erkennen. Auffallend ist die naturalistische Modellierung der Hand,
das Streben nach organischer Körperbildung. Auch die hochgefassten
Krallenfassungen zwischen den Filigranranken erinnern bereits an
Steinmontierungen der hochgotischen Goldschmiedekunst. Hinzu kommt das in den
Ärmelrücken eingeschnittene Lanzettfenster mit eingeschriebenen Maßwerk, ein
Motiv, das sich von der gotischen Monumentalarchitektur herleitet. Das Reliquiar
der Heiligen Elisabeth befand sich ehemals im Klosterschatz des
Prämonstratenserinnenklosters Altenberg an der Lahn. Möglicherweise gelangte die
Reliquie bald nach der Erhebung ihrer Gebeine nach Altenberg: Am 1. Mai 1236
wurde der Leichnam Elisabeths im Beisein Kaiser Friedrichs II. aus ihrem Grab in
der Marburger Hospitalskapelle erhoben und in einen kostbaren Schrein überführt.
Dem Kloster in Altenberg gehörte Gertrud, die 1227 geborene Tochter der
Heiligen, von ihrer frühesten Kindheit bis zu ihrem Tode im Jahre 1297 an. Dem
Kloster stand sie als Äbtissin seit 1248 vor. |