Die
Prämonstratenserabtei Sayn
Franz Hermann Kemp †
Dieser Aufsatz ist erschienen in:
Jahrbuch der Stadt Bendorf
1973, S 39 ff.
Um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert faßte der
alternde Graf Heinrich II, von Sayn (gest. 1205) den Entschluß, ein
Kloster zu gründen und mit dem notwendigen Besitz auszustatten.
Zunächst galt es, einen geeigneten Ort für die beabsichtigte
Gründung auszuwählen. Um ihr in den damaligen kriegerischen Zeiten
den nötigen Schutz gewähren zu können, entschied sich Graf
Heinrich für einen Platz, der im Schatten seiner mächtigen Burg lag.
Und zwar befand sich oberhalb des Ortes Sayn, an der Brex, eine dem hl.
Nikolaus geweihte Kapelle, in deren unmittelbarer Nähe die
Klostergebäude errichtet wurden. Die Wahl dieses "angenehmen" Tales hatte
viele Gründe für sich. Bot es doch durch seine geschützte Lage
und seinen Reichtum an vorzüglichem Wasser, mit fruchtbaren Gärten
und Wiesen, sonnigen Weinbergen und bewaldeten Hängen weitgehend alles
das, was eine klösterliche Gemeinde in damaliger Zeit benötigte.
Graf Heinrich wollte sein "Hauskloster" mit Chorherren des
aufblühenden Prämonstratenserordens besiedeln. Er wandte sich deshalb
an die weithin bekannte Eifelabtei Steinfeld, von der schon viele
Klostergründungen ausgegangenen waren. Der Steinfelder Abt Ehrenfried kam
den Wünschen des Grafen entgegen und entsandte 12 Chorherren unter
Führung Hermanns nach Sayn, der den Titel eines Propstes annahm. Nach der
Prämonstratenserregel blieb das Sayner Kloster in ständiger
Abhängigkeit von Steinfeld, woraus sich auch die Vorrechte, die dem
Steinfelder Abt als "Vaterabt" in Sayn zustanden, erklärten.
Da die Prämonstratenser ihr Hauptaugenmerk auf die
religiöse Betreuung des Volkes richteten, wurde ihnen gleich im
Gründungsjahr 1202 die Seelsorge für die Bewohner des Tales und der
Burg Sayn, die bisher von Engers betreut worden waren, übertragen und Sayn
von der Pfarrei Engers abgetrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben.
Als Pfarrkirche diente die erwähnte Nikolauskapelle.
Schon im gleichen Jahre konnte die Abtei mit aller Feierlichkeit
eingeweiht werden. Es entsprach wohl der Macht und dem Einfluß des
adeligen Stifters, daß in den Maitagen des Jahres 1202 eine große
Anzahl hoher Gäste in Sayn erschien, an ihrer Spitze der päpstliche
Legat Guido von Praeneste, der die Kirche zu Ehren der hl.Maria und des hl.
Evangelisten Johannes weihte. Ihm schlossen sich zahlreiche geistliche und
weltliche Würdenträger an, um Zeugen dieses bedeutenden Ereignisses
zu werden. Ihre Namen sind uns teilweise in den Bestätigungsurkunden des
päpstlichen Legaten und des Trierer Erzbischofs Johann I.
überliefert. In diesen Urkunden wurden der Abtei ihre zahlreichen
Besitzungen bestätigt, die sie größtenteils von dem Stifter,
dem Grafen Heinrich, und dessen Brüdern Eberhard, Bruno (Pastor in Engers,
Propst in Bonn und seit 1205 Erzbischof n Köln) und Gerlach (Propst an St.
Martin in Zyfflich) erhalten hatte.
Schon im Jahre 1206 gewährte der mächtige Papst Innocenz
III. der ungenannten Klostergemeinschaft einen Schutzbrief, der von 20
Kardinälen mitunterzeichnet wurde und die Abtei und ihre Besitzungen mit
allen Rechten und Freiheiten erneut in den kräftigen Schutz der Mutter
Kirche stellte.
Ursprünglich besaß die Abtei Gutshöfe in Urmitz,
Weitersburg und Thür, ferner Güter in Sayn, Heimbach und Engers, in
Ahrweiler und Hemessen bei Bad Neuenahr, Weinberge in Bendorf sowie alle
Ländereien, die bisher der St. Nikolauskapelle im Brextal gehört
hatten mit dem Wald auf beiden Seiten des Tales und schließlich die
Zehnten in Metternich bei Koblenz und in Mensfelden in Nassau. Dieser Besitz
wurde im Laufe der Jahrhunderte ständig vermehrt durch großherzige
Stiftungen zahlreicher Wohltäter, unter denen der 1247 verstorbene Graf
Heinrich III. und seine Gemahlin Mechthild besonders hervorzuheben sind. Es
kamen zu den erwähnten Gütern Besitzungen in Waldbreitbach,
Vallendar, Güls, Steinbach, Andernach, Synsenbach, Heddesdorf, Langendorf,
Sechtendorf, Mülhofen, Stromberg, Koblenz, Hachenburg, Limburg, Weis,
Kärlich, Mülheim, St. Sebastian, Kaltenengers, Miesenheim und
Bölingen. So erlebte die Abtei, geschützt durch den starken Arm der
Grafen von Sayn, drei Jahrhunderte geistiger und wirtschaftlicher Blüte.
Diese günstige Entwicklung ermöglichte einen
großzügigen Ausbau der Abteigebäude und besonders der
Abteikirche. Was lag näher, als daß sich die Chorherren beim
Kirchbau ihre Mutterkirche zu Steinfeld zum Vorbild nahmen. In der Tat kann man
auch heute noch, trotz mancherlei Umbauten besonders der Sayner Kirche, ein
weitgehende Übereinstimmung beider Kirchen in ihrer Grundform feststellen.
Allerdings war die Sayner Kirche von Anfang an eine einschiffige Anlage,
bedingt durch die Nikolauskapelle, die man durch zwei Scheidbögen mit in
den Neubau einbezog, während man südlich an das Langhaus einen
Kreuzgangflügel anbaute.
In einem ersten Bauabschnitt der Kirche gruppierten sich vier
Joche kreuzförmig um die durch einen wuchtigen Turm überhöhte
Vierung, An das Ostjoch schloß sich ein wohl halbkreisförmiger
Chorschluß an. Dieser klar gegliederte Zentralbau, der noch ganz
romanischem Bauempfinden entsprach, wurde noch unter Propst Hermann vollendet.
Schon bald wurde dieser Bau erweitert. Das Anwachsen des Konvents erforderte
die Aufstellung weiterer Altäre, für die Raum geschaffen werden
mußte. So entstanden nach dem Vorbilde Steinfelds im Anschluß an
das südliche Querhaus zwei Chorkapellen, die sich durch ihre originelle
Gewölbelösung besonders auszeichnen. Etwa gleichzeitig entstand als
Anbau an das Nordquerschiff eine Sakristei, ferner der romanische Kreuzgang,
von dessen Schönheit der erhaltene Westflügel mit dem Brunnenhaus
noch ein beredtes Zeugnis gibt.
Ihre endgültige Form erhielt die Kirche jedoch erst nach
1250. Damals wurde das Langhaus um 3 Joche nach Westen verlängert und
damit die Lücke zwischen Kreuzgang und Nikolauskapelle geschlossen.
Während man sich bei dieser Erweiterung im großen und ganzen auch an
die ursprüngliche Konzeption hielt, so machen sich doch in steigendem
Maße mittelrheinische Einflüsse bemerkbar. In den zarten
Spitzbögen der Fenster und Blendarkaden sowie des Portals deutet sich
gotische Formgebung an. Die Fenster der sonst schmucklosen Südseite sind
dem Bonner Münster entlehnt, während die schlanke, hohe Westfassade
durch Fenster und Blenden vorteilhaft aufgegliedert ist. Ihre und des ganzen
Gotteshauses schlichte Einfachheit kündet vom Geiste der Erbauer, die nach
dem Willen ihres Stifters, des hl. Norbert von Xanten, ein Reformorden sein
wollten, der seine Hauptaufgabe in der Verbindung eines gemeinsamen Lebens mit
tätiger Seelsorge sah.
Nach dem Abschluß dieser Bauperiode, zu der natürlich
noch die Errichtung der sich um den Kreuzgang gruppierenden Wohn- und
Wirtschaftsgebäude gehörte, trat eine längere Ruhepause ein, da
Kirche und Klostergebäude nunmehr wohl allen Bedürfnissen gerecht
wurden.
Von der gewiß reichen Ausstattung der Kirche ist leider
wenig übrig geblieben, der Taufstein aus dem 13.Jahrhundert, und aus dem
einst so großen Kirchenschatz der Reliquienschrein des hl. Simon, der zu
den frühesten im Abendland erhaltenen Reliquiaren gehört, bei denen
die Reliquie sichtbar ist. Er entstand 1220/30 in einer Trierer Werkstatt. Die
großartige
Grabskulptur Graf Heinrichs III, von Sayn (gest. 1247) gelangte
1920 aus Sayn ins Germanische Museum nach Nürnberg. Ein weiteres Kleinod
aus der Sayner Abteikirche wurde erst durch die Kölner Ausstellung
"Zwischen Rhein und Maas" einem größeren Kreis bekannt. Es ist ein
um 1180/1200 wohl in Köln gefertigter Reliquienschrein, eine
prächtige Elfenbeinschnitzerei in Form einer Basilika, die sich heute im
Königlichen Museum in Brüssel befindet.
Um die Mitte des 15. Jahrhunderts faßte Abt Johann Meinen
den Entschluß, den Chorraum der Kirche zu erweitern. So entstand jener
polygonale spätgotische Chorschluß mit seinen schlanken Rippen und
hohen Maßwerkfenstern, die prächtige Glasmalereien enthielten,
während die freien Flächen mit Wandmalereien geschmückt wurden,
die, stark restauriert, noch vorhanden sind.
Wenn sich Auf und Ab der Abtei in ihrer Baugeschichte stets
widerspiegelte, so darf man sagen, daß die Kirche mit der Erstellung des
spätmittelalterlichen Chores in ihrer künstlerischen Form und
Ausgestaltung einen Höhepunkt erreichte, daß aber die Abtei auch auf
wirtschaftlichem und religiös-sittlichem Gebiet damals ihre besten Zeiten
sah. Unter der Leitung ausgezeichneter Äbte stand sie damals in hoher
Blüte, bis sich gleich zu Beginn des 16. Jhts. schwere Mitstände
bemerkbar machten. Die Schuld daran trug allein Abt Levin von Gouda, der 1500
den Abtstuhl bestiegen hatte. In wenigen Jahren brachte dieser ,,ungetreue
Verwalter" die Abtei an den Rand des Abgrundes. Er häufte Schulden auf
Schulden, so daß schon bald Kirche und Klostergebäude in einen
schlechten Zustand gerieten, während der Konvent sehr unter der
Mißwirtschaft zu leiden hatte. Den gemeinsamen Bemühungen des Grafen
Johann von Sayn, das Vaterabtes von Steinfeld und des Konventes gelang es
schließlich, Levin 1518 zur Abdankung zu bewegen. Aber der Schaden war
groß, und der Nachfolger, Abt Adam von Heddesdorf, dankte bereits 1522
ab, weil er der Lage nicht Herr wurde. Nach ihm ergriff Johann Hillen den
Abtsstab, der in jahrelanger, zäher Arbeit die Verhältnisse der Abtei
zu ordnen suchte. Er ist der einzige Sayner Abt, der uns im Bild erhalten ist,
und zwar in einem der berühmten Steinfelder Kreuzgangfenster, das sich
heute in England befindet.
Nach einer vorübergehenden Besserung ballten sich erneut
dunkle Wolken über der Abtei zusammen, als Graf Adolf 1561 die Reformation
in Sayn einführte. Er bedrängte die Abtei sehr und ließ als
erstes den reichen Kirchenschatz mit dem überaus kostbaren Abtsstab, den
einst Gräfin Mechtild gestiftet hatte, ,,der größeren
Sicherheit halber" auf die Burg schaffen, ohne daß je wieder etwas davon
gesehen worden wäre. Sodann nötigte er die Chorherren, einen
protestantischen Prediger in ihrem Hause aufzunehmen und zu beköstigen.
Zum Got-tesdienst wurde ihm die als Pfarrkirche dienende Nikolauskapelle
überlassen, die aber bald in Verfall geriet und das nördliche
Querhaus mitriß. Nun mußte die Abtei dem fremden Prediger gar die
ganze Kirche einräumen, während man dem kleinen Konvent für
seinen Gottesdienst nunmehr den Chorraum beließ. Hohe Abgaben, die
erpreßt wurden, zwangen den Abt, ein Gut nach dem anderen zu verkaufen
oder zu verpfänden, ohne daß dadurch die Schuldenlast hätte
gedeckt werden können. So schien das Ende der Abtei unvermeidlich, zumal
sich auch ein sittlicher Verfall bemerkbar machte, kaum einer mehr die
Ordensregel beachtete und sich schließlich fast der ganze Konvent
zerstreute. Eine unerwartete Wendung brachte 1606 der Tod des Grafen Heinrich
IV., der ohne männliche Erben starb, was den Trierer Kurfürsten
bewog, Sayn als erledigtes Lehen einzuziehen. Damit wurde die Abtei von aller
äußeren Bedrängung befreit, aber es brauchte jahrelanger,
mühevoller Arbeit, bis die wirtschaftliche Lage so gefestigt war,
daß ein geregeltes Leben der Chorherren in Sayn wieder möglich war.
In diesen schweren Jahren war es besonders die Abtei Steinfeld, die ihrer
Tochtergründung immer wieder helfend unter die Arme griff.
Allmählich kam wieder Leben in die verödeten Räume,
die allerdings ein trauriges Bild boten. Denn nicht nur die Kirche war zum
großen Teil baufällig geworden, auch die Wohngebäude befanden
sich in schlechtestem Zustand. Kaum glaubte man aufatmen zu können, als
die Schweden 1633 erneut Furcht und Schrecken in das stille Tal brachten. 1635
war es die Pest, die dem Konvent ihren jungen, tatkräftigen Abt Werner
Wiesen entriß. Auch mehrere der Abteigüter wurden durch den
dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Lediglich
zwei Chorherren lebten in dieser drangvollen Zeit in der Abtei, die jedoch mit
Geschick und Sorgfalt die wirtschaftlichen Belange der Abtei vertraten und
neben umfassenden Güterverzeichnissen eine Chronik der Abtei
verfaßten. Ihren Bemühungen ist es zu verdanken, daß 1653 der
Sayner Abtsstuhl wieder endgültig besetzt wurde. Unter dem segensreichen
Regiment des fähigen Abtes Adolph Gülich (1653-97) konnte vieles
geschafft werden. Er erlangte das Recht, die Mitra zu tragen und genoß
auch sonst in seinem Orden großes Ansehen, wurde er doch wiederholt zum
Visitator ernannt. In dieser Eigenschaft knüpfte er gute Beziehungen zu
dem Prämonstratenserinnenstift Heinsberg und erreichte es, daß
mehrere Pfarreien, deren Patronat den Kanonissen zustand, in der Folge mit
Sayner Chorherren besetzt wurden.
Der folgende Abt Engelbert Colendal aus Köln (1698-1719),
wohl der hervorragendste der Sayner Äbte, führte die Abtei zu einem
neuen Höhepunkt. Innerhalb der Abtei sorgte er für Zucht und Ordnung,
förderte die Studien, erbaute 1708 eine neue Bibliothek und 10 Jahre
später die prächtige, geschweiftgieblige Prälatur, die heute als
Pfarrhaus dient. Seine besondere Sorge widmete er aber auch der Ökonomie,
und nicht zuletzt erwies er sich als Förderer der Kunst, indem er für
die Kirche eine prächtige Barockausstattung beschaffte, die leider im
vergangenen Jahrhundert durch mangelndes Verständnis fast völlig
verloren ging. Lediglich einige Altarbilder, die kürzlich vorzüglich
restauriert wurden, sind noch vorhanden. Durch sein kraftvolles,
selbstbewußtes Auftreten steigerte Colendal das Ansehen der Abtei
ständig und gewann das Vertrauen weiter Kreise. Der Generalabt betraute
ihn mit wichtigen Aufgaben, der Kurfürst erzeigte ihm seine Gunst dadurch,
daß die Pfarreien Grenzau und Nauort der Abtei inkorporiert wurden. Bei
Feierlichkeiten in den Abteien Arnstein, Rommersdorf und Maria Laach sowie bei
den Fronleichnamsprozessionen in Koblenz war Colendal ein gern gesehener Gast.
Den Neubau eines Glockenturmes mußte er infolge seines
frühen Todes seinen Nachfolgern überlassen. Der alte, quadratische
Vierungsturm hatte nämlich durch den Abbruch des Nordquerschiffes seine
Hauptstütze verloren und mußte schließlich wegen
Einsturzgefahr abgebrochen werden. Durch den 1731 besonders massiv errichteten
neuen Glockenturm gelang es, den Druck der gefährdeten Vierungskuppel und
der Nordwand wirkungsvoll aufzufangen. Man darf feststellen, daß sich
dieser Turm mit seiner malerischen Barockhaube organisch in die gesamte Anlage
einfügt.
Einen zweiten bedeutenden Abt schenkte das 18. Jht, der Abtei 1744
in Isfrid Ohm, der als Gelehrter in erster Linie die Studien in Sayn
förderte, daneben aber auch technische Neue-rungen, besonders beim Bau von
Ökonomiegebäuden, einführte. Das große Altarbild des hl.
Simon trägt sein Wappen. Auch unter dem folgenden Abt Adolph Hirsch aus
Koblenz nahm die Entwicklung der Abtei einen guten Verlauf, wie in
Visitationsberichten lobend hervorgehoben wird.
Im letzten Viertel des 18. Jhts. verstärkten sich die
Bestrebungen der Trierer Kurfürsten, ihren Einfluß auf die
Klöster ihres Sprengels unter weitgehender Ausschaltung der Ordensoberen
mehr und mehr zu festigen, gefördert durch die Ideen des Febronianismus.
So lockerten sich die Beziehungen zwischen Sayn und Steinfeld gänzlich,
indes der Kurfürst immer mehr die Oberhand gewann. Mitten in diese
Entwicklung aber platzte die französische Revolution, deren Auswirkungen
auch der Abtei Sayn viel Leid und schließlich das Ende bringen sollten.
Schon kaiserliche Einquartierung brachte ihr 1795 große Einbußen,
während französische Truppen noch im gleichen Jahre raubend und
plündernd über sie herfielen und nicht viel übrig ließen.
Durch ständige Einquartierungen, ferner durch das völlige Ausbleiben
der Pächte von den linksrheinischen Gütern geriet die Abtei in immer
größere wirtschaftliche Not. Bis 1803 stiegen die Schulden auf
16.000 Taler. Damals wurde die Abtei unter Mißachtung ihrer uralten
Rechte und ihres Eigentums aufgehoben und dem Fürsten Friedrich von Nassau
zugewiesen, der die Aufhebung am 12. Juni 1803 dem Konvent bekanntgeben
ließ. Damit fand die wechselvolle Geschichte der altehrwürdigen
Abtei ein trauriges Ende. Der letzte Abt Bartholomäus Reinhard blieb als
Pfarrer in Sayn und starb 1819. Ihn überlebte der aus Sayn gebürtige
Frater Hermann Schmalenbach, der die Stelle eines Schloßkaplans beim
Grafen Boos von Waldeck bekleidete. Er nannte sich Propst von Sayn, wie auch
600 Jahre vorher der erste Vorsteher der Abtei, Hermann, den Titel eines
Propstes von Sayn geführt hatte.
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